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3
4 <sect1 id="kernel-baking"><title>Einen neuen Kernel kompilieren</title>
5 <para>
6
7 Warum sollte jemand einen neuen Kernel kompilieren wollen?
8 Es ist oft nicht nötig, da der Standardkernel in Debian die meisten
9 Konfigurationen bedient. Allerdings kann es unter folgenden Umständen nützlich
10 sein, einen neuen Kernel zu kompilieren:
11
12 <itemizedlist>
13 <listitem><para>
14
15 spezielle Hardwareanforderungen bewältigen oder Hardwarekonflikte mit den
16 vorkompilierten Kernels
17
18 </para></listitem>
19 <listitem><para>
20
21 Hardware oder zusätzliche Optionen unterstützen, die im Standardkernel nicht
22 enthalten sind, wie z.B. APM oder SMP
23
24 </para></listitem>
25
26 <listitem arch="i386"><para>
27
28 Die »compact«- und »idepci«-Varianten haben keine Soundunterstützung.
29 Der »vanilla«-Kernel hat Sound, aber er könnte aus anderen Gründen
30 trotzdem nicht funktionieren.
31
32 </para></listitem>
33 <listitem><para>
34
35 den Kernel optimieren durch Entfernen von nicht benötigten Treibern,
36 um die Bootzeit zu verkürzen
37
38 </para></listitem>
39 <listitem><para>
40
41 Optionen des Kernels nutzen, die vom Standardkernel nicht unterstützt werden
42 (wie z.B. Netzwerk-Firewall)
43
44 </para></listitem>
45 <listitem><para>
46
47 einen aktualisierten oder Entwicklungskernel verwenden
48
49 </para></listitem>
50 <listitem><para>
51
52 seine Freunde beeindrucken, neue Sachen ausprobieren
53
54 </para></listitem>
55 </itemizedlist>
56
57 </para>
58
59 <sect2><title>Kernel-Image-Management</title>
60 <para>
61
62 Sie brauchen keine Angst davor zu haben, auszuprobieren, einen eigenen Kernel
63 zu kompilieren. Es macht Spaß und ist profitabel.
64
65 </para><para>
66
67 Um auf die debiansche Art einen Kernel zu kompilieren, benötigen
68 Sie ein paar Pakete: <classname>kernel-package</classname>,
69 <classname>kernel-source-&kernelversion;</classname> (dies war die neueste Version
70 zum Zeitpunkt, als dies geschrieben wurde), <classname>fakeroot</classname>
71 und ein paar weitere, die vielleicht schon installiert sind
72 (<filename>/usr/share/doc/kernel-package/README.gz</filename> enthält die
73 komplette Liste).
74
75 </para><para>
76
77 Diese Methode erstellt ein .deb-Paket aus den Kernelquellen und falls
78 Sie Nicht-Standard-Module verwenden auch ein synchrones .deb für diese
79 Module. Es ist ein besserer Weg, um die Kernel-Images zu verwalten
80 (verglichen mit der Nicht-Debian-Methode, einen Kernel zu erzeugen);
81 <filename>/boot</filename> enthält den Kernel, die dazugehörige
82 System.map und ein Log der aktiven Konfigurationsdatei für den Bau des
83 Kernels.
84
85 </para><para>
86
87 Beachten Sie, dass Sie Ihren Kernel nicht auf Debian-Art kompilieren
88 <emphasis>müssen</emphasis>, aber wir meinen, dass es erheblich sicherer
89 und einfacher ist, das Paketsystem zur Verwaltung der Kernel zu verwenden.
90 Sie können auch Ihre Kernelquellen direkt von Linus beziehen statt aus
91 dem <classname>kernel-source-&kernelversion;</classname>-Paket, aber
92 trotzdem die <classname>kernel-package</classname>-Methode zum
93 Kompilieren nutzen.
94
95 </para><para>
96
97 Sie finden eine komplette Dokumentation zur Nutzung von
98 <classname>kernel-package</classname> unter
99 <filename>/usr/share/doc/kernel-package</filename>. Dieses Kapitel gibt
100 nur eine kurze Einführung.
101
102 </para><para>
103
104 Wir gehen hier davon aus, dass sich Ihre Kernelquellen in
105 <filename>/usr/local/src</filename> befinden und dass Ihre Kernelversion
106 &kernelversion; ist. Erzeugen Sie als root ein Verzeichnis in
107 <filename>/usr/local/src</filename> und ändern Sie den Eigentümer des
108 Verzeichnisses auf Ihren normalen Nicht-Root-Benutzernamen.
109 Wechseln Sie als normaler Nicht-Root-Benutzer in das Verzeichnis,
110 wo Sie die Kernelquellen auspacken möchten
111 (<userinput>cd /usr/local/src</userinput>), extrahieren Sie die Kernelquellen
112 (<userinput>tar xjf /usr/src/kernel-source-&kernelversion;.tar.bz2</userinput>)
113 und wechseln Sie in das entstandene Verzeichnis
114 (<userinput>cd kernel-source-&kernelversion;/</userinput>).
115
116 </para><para>
117
118 Sie können jetzt Ihren Kernel konfigurieren. Führen Sie <userinput>make
119 xconfig</userinput> aus, wenn X11 installiert ist, konfiguriert ist und läuft,
120 andernfalls nehmen Sie <userinput>make menuconfig</userinput> (hierzu muss
121 das <classname>ncurses-dev</classname>-Paket installiert sein). Nehmen Sie sich
122 die Zeit, die Onlinehilfe zu lesen und wählen Sie sorgfältig die Optionen aus.
123 Wenn Sie Zweifel haben, ist es typischerweise besser, den zweifelhaften
124 Gerätetreiber mit in den Kernel zu integrieren (ein Gerätetreiber ist ein
125 Stück Software, das Hardware-Peripherie verwaltet, wie z.B. Ethernetkarten,
126 SCSI-Controller und so weiter). Seien Sie vorsichtig: andere Optionen, die nicht
127 zu einer bestimmten Hardwarekomponente gehören, sollten Sie auf dem Standardwert
128 belassen, wenn Sie sie nicht verstehen. Vergessen Sie nicht, den
129 ``Kernel module loader'' unter ``Loadable module support'' zu aktivieren
130 (diese Option ist standardmäßig nicht aktiv). Tun Sie dies nicht, wird
131 Ihr Debian-System Probleme machen.
132
133 </para><para>
134
135 Säubern Sie den Kernelquellen-Baum und setzen Sie die
136 <classname>kernel-package</classname>-Parameter zurück. Dies erledigen Sie mit
137 <userinput>make-kpkg clean</userinput>.
138
139 </para><para>
140
141 Kompilieren Sie jetzt den Kernel mit:
142 <userinput>fakeroot make-kpkg --revision=custom.1.0 kernel_image</userinput>.
143 Die Versionsnummer ``1.0'' können Sie nach Belieben ändern. Sie wird nur
144 von Ihnen selbst verwendet, um Ihre verschiedenen Kernel zu verwalten.
145 Ebenso können Sie jedes andere Wort statt ``custom'' verwenden (z.B. den
146 Namen des Rechners). Die Kernelkompilierung könnte eine Weile dauern,
147 abhängig von der Leistungsfähigkeit Ihres Rechners.
148
149 </para><para condition="supports-pcmcia">
150
151 Wenn Sie PCMCIA-Support benötigen, müssen Sie ebenfalls das
152 <classname>pcmcia-source</classname>-Paket installieren. Entpacken Sie die
153 gzip-tar-Datei als root in das Verzeichnis <filename>/usr/src</filename>
154 (es ist wichtig, dass die Module dort gefunden werden, wo sie gesucht werden,
155 nämlich in <filename>/usr/src/modules</filename>). Führen Sie dann als root
156 <userinput>make-kpkg modules_image</userinput> aus.
157
158 </para><para>
159
160 Sobald die Kompilierung beendet ist, können Sie Ihren eigenen Kernel wie
161 ein Paket installieren. Tippen Sie als root <userinput>dpkg -i
162 ../kernel-image-&kernelversion;-<replaceable>subarchitecture</replaceable>_custom.1.0_&architecture;.deb</userinput>
163 ein. Der Teil <replaceable>subarchitecture</replaceable> im Dateinamen ist eine
164 optionale Unterarchitektur, <phrase arch="i386"> wie z.B. ``i586'', </phrase>
165 abhängig davon, welche Kerneloptionen Sie gesetzt haben.
166 <userinput>dpkg -i kernel-image...</userinput> installiert den Kernel
167 zusammen mit ein paar anderen dazugehörigen Dateien. Zum Beispiel wird
168 die <filename>System.map</filename> korrekt installiert
169 (dies ist nützlich für die Fehlersuche bei Kernelproblemen) und
170 <filename>/boot/config-&kernelversion;</filename> wird installiert,
171 sie enthält Ihre aktuelle Konfiguration. Ihr neues
172 <classname>kernel-image-&kernelversion;</classname>-Paket ist ebenfalls
173 clever genug, automatisch eine Aktualisierung Ihres Bootloaders zu starten,
174 die es Ihnen erlaubt, den neuen Kernel zu booten, ohne den Bootloader
175 neu konfigurieren zu müssen. Wenn Sie auch ein Modul-Paket erzeugt
176 haben, weil Sie z.B. PCMCIA benötigen, müssen Sie auch dieses Paket noch
177 installieren.
178
179 </para><para>
180
181 Jetzt ist es Zeit, einen Systemneustart zu machen: lesen Sie aufmerksam
182 alle Warnungen, die die vorherigen Schritte unter Umständen erzeugt haben
183 und tippen dann <userinput>shutdown -r now</userinput> ein.
184
185 </para><para>
186
187 Mehr Informationen über <classname>kernel-package</classname> enthält
188 die tolle Dokumentation in <filename>/usr/share/doc/kernel-package</filename>.
189
190 </para>
191 </sect2>
192 </sect1>

Properties

Name Value
svn:keywords Id

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